Morgens aus dem Bett springen, in freudiger Erwartung des Tages. Tun was man am liebsten tut, und dafür auch noch bezahlt werden. Hört sich das nicht nach einem glücklichen und erfüllten Leben an? Doch die Realität sieht häufig anders aus. Wir kämpfen uns durch einen Job, den wir nicht mögen, nur um die wenige Freizeit, die uns bleibt, mit unseren Hobbies zu versüßen. Doch selbst dafür sind wir oft zu müde, und der Funken der Lebensfreude glimmt nur noch schwach in unseren Augen.
Soll es unseren Kindern später auch so gehen? Besteht das Leben aus harter freudloser Arbeit, nur kurzzeitig unterbrochen von den Glücksmomenten, in denen wir unserer eigentlichen Bestimmung folgen?
Kennen wir unsere Bestimmung überhaput? Haben wir je unsere wirkliche Leidenschaft entdeckt? Die meisten von uns sicher nicht, oder sie haben sie auf dem Weg zum Erwachsen werden irgendwo verloren. Aber warum?
Als Kleinkinder sind wir noch frei. Wir experimentieren mit allem, was uns in die Finger kommt. Die Eltern erfreuen sich an unserem Forschergeist und lassen uns gewähren. Doch das Glück währt nur wenige Jahre. Kaum ruft die Schule, ändert sich der Anspruch. Die akadamischen Leistungen treten in den Vordergrund. Waren die Eltern im Kindergarten noch erfreut über den körperliche Energie Ihrer Sprösslinge, wird das Herumzappeln in der Schule schnell zum Problem. Lernen ist an Stillsitzen gebunden, eine Schwierigkeit für junge ABC-Schützen.
Ein bemerkenswertes Beispiel hierzu beschreibt Ken Robinson in seinem Bestseller “In meinem Element: Wie wir von erfolgreichen Menschen lernen können, unser Potenzial zu entdecken.” Am Fallbeispiel der kleinen Gillian beschreibt er, wie ein Mädchen mit unbezwingbaren Bewegungsdrang Ihre Bestimmung fand. Als hyperaktiv und schwierig abgestempelt, wurde Gillian zum Psychologen geschickt. Heute wäre Retalin sicher ein Mittel der Wahl gewesen, um sie funktionstüchtig für die Schule zu machen. Doch glücklicherweise erkannte der Psychologe Ihre Begabung als Tänzerin. Gills Mutter folgte seinem Rat und meldete Ihre Tochter an einer Ballettschule an. Das war der Wendepunkt. Aus dem einstigen Problemkind wurde die weltberühmte Choreographin Gillian Lynn, die zusammen mit Andrew Lloyd Webber u.a. “Cats” und “Das Phantom der Oper” erschuf.
In jedem Kind schlummern Talente, wir als Eltern können helfen, sie zu erwecken und zu pflegen.
Wenn wir unseren Kindern den Weg für ein glückliches und erfülltes Leben ebnen möchten, sollten wir ihnen helfen, Ihre wahre Bestimmung zu finden. Jeder Mensch ist mit besonderen Talenten ausgestattet. Manche werden jedoch nicht als bedeutend erachtet und wertgeschätzt. Haben Kinder ein besonders Talent im Bereich Mathematik oder Literatur, herzlichen Glückwunsch. Damit ist man in der westlichen Welt fein raus. Doch Talente in einer der sogenannten brotlosen Künste sind für Eltern schon schwieriger zu verdauen. Wenn man zum dritten mal in die Schule zitiert wird, weil der Sohn unaufhörlich mit den Stiften auf dem Tisch herumtrommelt, ist es schwierig, die Begabung des Schlagzeugers in ihm willkommen zu heißen. Doch einige der erfolgreichsten Künstler dieser Welt galten als Schulversager. Albert Einstein, Paul McCartney und Mick Fleetwood sind da nur wenige Beispiele.
Das heißt nun nicht, dass wir die Schule in den Wind schreiben müssen. Wir sollten unseren Kindern aber Gelegenheit geben herauszufinden, wozu sie sich berufen fühlen. Wir können sie darin unterstützen, Ihren Weg zu gehen, auch wenn es nicht der ist, den wir uns vorgestellt haben.
So können wir unseren Kindern helfen, Ihre wahre Bestimmung zu finden:
- Achtsamkeit. Versucht, die Talente und Vorlieben Eurer Kinder zu erkennen. Schafft Ihnen ein Umfeld, in denen sie diese nach ihrem eigenen Drang ausleben können. Wenn Kinder lieben, was sie tun, dann müssen sie nicht von uns angetrieben werden.
- Angebote. Eine Leidenschaft für etwas zu entwickeln braucht auch die richtige Gelegenheit. Wer weiß schon wie viele talentierte Skifahrer in Ägypten nie entdeckt wurden, nur weil ihnen der Schnee fehlt. Macht Euren Kindern Angebote. Probiert gemeinsam mit Ihnen neue Dinge aus. Wer weiß, vielleicht entdeckt auch Ihr dabei Eure wahre Bestimmung. Aber Vorsicht: Seid nicht zu ehrgeizig, sonst endet Ihr schnell im gefürchteten Freizeitstress. Angebote lauern überall. Wenn Eure Kinder an etwas interessiert sind, dann braucht es keine Holzhammermethoden. Warum besorgt Ihr nicht regelmäßig einen Schwung Bücher aus der Bücherei zu verschiedenen Themen. Platziert sie gut sichtbar im Raum, dann können Eure Kinder darüber stolpern (oder nicht).
Versucht die Angebote an den Interessen Eures Nachwuchses auszurichten. Besucht mit musikinteressierten Kindern Konzerte, mit handwerklich begabten Kunstmärkte und mit sportbegeisterten das Stadion. Eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Erlaubt ist, was Spaß macht.
- Hinterfragt die Gewohnheiten Eurer Kinder. Gibt es ein Verhalten, das bei Euren Söhnen oder Töchtern sehr ausgeprägt ist? Vielleicht sind sie absolute Tagträumer und leben in ihrer eigenen Phatasiewelt. Für die Schule hinderlich, doch lasst Ihr Euch nicht gern von guten Geschichten, Büchern und Filmen verzaubern? Ganze Welten, wie bei “Avatar” oder “Dem Herrn der Ringe” sind der Vorstellungskraft eines einzelnen Individuums entsprungen. Vielleicht hätte der Nachwuchs ja Freude daran die Geschichten aufzuschreiben oder auf Band zu sprechen. Vielleicht aber auch nicht.
- Offenheit. Seid offen für die Wege, die Eure Kinder einschlagen. Ermutigt und unterstützt sie auf Ihrem Kurs. Zwingt sie nicht, Euren Fusstapfen zu folgen. Am leichtesten geht das, wenn Ihr Bewertungen aus dem Spiel lasst. Erachtet jeden Beruf als gleich wertvoll. Dann habt Ihr keinen Grund, Eure Kinder zum Studium zu drängeln, während sie lieber als Straßenmusiker die Welt bereisen.